Bell 212 (UH-1N), Bell 412

 

(Siehe dazu auch den Text zur Huey-Serie). Einer der seltenen Hubschraubertypen im deutschen Luftrettungsdienst ist die Bell 212, die auch als Twin Two-Twelve bezeichnet wird (militärische Bezeichnung UH-1N, siehe auch Foto unten). Äußerlich sieht sie dem Vorgänger aus den Huey-Serien sehr sehr ähnlich, was auch nicht verwundert, da der Rumpf identisch ist mit dem der Bell 205 (zivile Bezeichnung für die Bell UH-1 D). Lediglich der Bug ist 15 cm länger, sodass die Linienführung etwas weniger plump wirkt, und natürlich stechen die sehr kompakten, nebeneinander befindlichen Doppeltriebwerke (Pratt & Whitney Canada PT6T-3) ins Auge.

 

Bell UH-1N der U.S. Marines

Der Vorläufer der Bell 212 war die legendäre UH-1 Serie, deren mit Abstand größter Abnehmer das Militär war. Auf Wunsch des Militärs wurde Mitte der 1960er Jahre damit begonnen, eine zweimotorige Version der Huey-Serie zu bauen. Die Intention seitens des Militärs war es, bei gleicher Leistung mehr Zuverlässigkeit und Sicherheit – und somit eine verbesserte Kampfmoral der Besatzungen – zu erzielen, gerade bei Einsätzen über feindlichem Gebiet oder der See.

 

Der erste zweimotorige Huey wurde 1965 gebaut und wurde aus der Bell 205 abgeleitet. Die Finanzierung des Programms gewährleistete Bell, allerdings führte dies zunächst zu keinen Aufträgen. Dies sollte sich erst ändern, als das Werk in Fort Worth beschloss, den Hubschrauber mit einem Triebwerk von United Aircraft of Canada auszustatten (es handelte sich dabei um eine Zwillingsversion der PT6T-3 Turbine). Daraufhin wurde das Projekt von der kanadischen Regierung unterstützt, die zeitnah 50 Stück von dem Hubschrauber bestellte, der auf die Bezeichnung Bell CUH-1N (oder auch CH-135) hörte. Die amerikanischen Streitkräfte sprangen dann auch „auf den Zug auf“ und orderten 114 Hubschrauber, die auf die US Air Force (79), die US Navy (40) und das US Marine Corps (22) verteilt wurden.

 

Bell UH-1N-Grafik

Bell UH-1N alias Bell 212

In der zivilen Version wurde der Hubschrauber in großen Stückzahlen u.a. vom größten Lizenznehmer von Bell, der Fa. Agusta gefertigt (Agusta AB 212). 1997 wurde die Bell 212 von Bell mit einem vierblättrigen Hauptrotor ausgestattet und in dieser Variante als Bell 412 bezeichnet. Die Bell 412 erlangte im deutschen Luftrettungsdienst Bekanntheit als bevorzugtes vom HSD-Flugdienst eingesetztes Muster für die ITH-Flotte.

Textquelle zu obigen Ausführungen war u.a.:

„Enzyklopädie der Hubschrauber – Geschichte, Technik, Marken“ von Giorgio Apostolo (Deutsche Ausgabe: Weltbild Verlag GmbH, Augsburg), ISBN 3-89350-827-9.

 

Datenblatt Bell 412 HP

  • Hersteller: Bell Helicopter Textron, USA
  • Triebwerke: Pratt & Whitney PT6T-3B
  • max. Leistung, je Triebwerk: 1.025 shp
    Einsatzgeschwindigkeit: 250 km/h
  • Flughöhe: bis ca. 6.000 m NN
  • Reichweite: 700 km
  • Kraftstoffzuladung: 1.250 Liter
  • Maximales Abfluggewicht: 5.400 kg
  • Erforderliche Start-/Landefläche: ca. 28 x 28 m (
  • Abmessungen: Länge: 17,10 m, Höhe: 4,60 m, Breite: 2,80 m, Rotor-Ø: 14,00 m
  • Besatzung: 2 Piloten, HEMS-Crew-Member (Rettungsassistent), Notarzt
     

Bell 412 HP seitlich (c) by DRF

Bell 412 von oben (c) by DRF

Bell 412 HP von vorne (c) by DRFBell 412 HP (c) by P. Kalinowski