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Entstehung und Entwicklung von MBB
Letztlich war die Gründung von MBB der Fusion von drei Firmengruppen zu verdanken. Die Firmen Bölkow und Messerschmitt fusionierten zur Messerschmitt-Bölkow GmbH, zu der dann später der Hamburger Flugzeugbau als drittes Unternehmen hinzukam. Ludwig Bölkow hatte sich bereits seit den 1950er Jahren u.a. mit Drehflüglern befasst. Auf den Erfahrungen, die man beim Bau der Hubschrauber BO 46, BO 102 und BO 103 gewonnen hatte – alles Projekte aus Bölkows Firma – basierte das Hubschraubermuster BO 105. Die BO 105 war das Muster, welches bei der Indienststellung des ersten bundesdeutschen RTH „Christoph 1“ in München 1970 Verwendung fand und in mehrfach überarbeiteter Form bis quasi in die Gegenwart eingesetzt wurde. Doch der Reihe nach...
Ludwig Bölkow
Dieser war bei Messerschmitt bis Ende des zweiten Weltkrieges als Diplom-Ingenieur. 1948 gründete er das Ingenieurbüro Bölkow (IBB) in Stuttgart. Hier beschäftigte er sich u.a. mit Verfahren zur industriellen Gebäudefertigung. 1955 siedelte die Firma um auf den Flughafen Stuttgart-Echterdingen. Im Mai 1956 gründete er die Bölkow Entwicklungen KG mit der Intention, sich auf dem Gebiet der Luft- und Raumfahrt zu engagieren. Nach der Freigabe der Lufthoheit begannen erste Studien und Arbeiten für Sportflugzeuge, Drehflügler und Flugkörper. Das erste Produkt war die Klemm Kl 107, ein Gemeinschaftsprodukt von der „Arbeitsgemeinschaft Hans Klemm Flugzeugbau und Ingenieurbüro Bölkow“. Die Klemm Kl 107 hatte im September 1957 ihren Erstflug.
Umzug nach München, P 102, BO 102
Aus Platzgründen erfolgte der Umzug nach München-Ottobrunn im Novem ber 1958. Auf Anregung eines früheren Testpiloten der Flettner-Werke wurde ein bodengebundenes Ausbildungsgerät für Hubschrauberpiloten entwickelt, welches als Prototyp die Bezeichnung P 102 hatte, später jedoch „Heli-Trainer“ genannt wurde. Die mit dem Prototyp gemachten Erfahrungen führten zur Entwicklung der Serienausführung BO 102 des „Heli-Trainers“, der von einem 40-PS Dreizylinder-Zweitaktmotor angetrieben wurde.
Eine verbesserte Version hörte auf die Bezeichnung BO 102 B. Allerdings war der „Heli-Trainer“ für die Ausbildung nur bedingt geeignet, so bevorzugten die Fluglehrer den Platz am Doppelsteuer und nicht auf einem Sitz am Bodengerät. Die Produktion wurde 1962 eingestellt. Bis dahin waren insgesamt 18 Heli-Trainer gefertigt worden.
Der Einmann-Hubschrauber
Das Verteidigungsministerium beauftragte die Bölkow Entwicklungen KG mit der Entwicklung eines Einmann-Hubschraubers, der BO 103. Dieses war der erste fliegende Hubschrauber der Firma, der Erstflug war im September 1961 auf dem Fliegerhorst Neubiberg. 1962 wurde die BO 103 auf der Luftfahrtschau in Hannover und in Bückeburg vorgeflogen. Da jedoch die Heeresflieger mittlerweile kein Interesse mehr an einem Einmann-Hubschrauber hatten und auch keine Erfolgaussichten auf dem zivilen Markt bestanden, wurde die Produktion Mitte 1962 eingestellt. Von der BO 103 war nur ein Exemplar gebaut worden.
Die Bölkow BO 46
Die BO 46 war im Auftrag des Bundesministeriums der Verteidigung (BMVg) entwickelt wo rden. Es handelte sich um einen Hubschrauber, dessen Wurzeln in die 1950er Jahre zurückreichten, ausgehend von dem Plan, einen Hubschrauber mit schwenkbaren Rotorblättern zu entwickeln. Die BO 46 hatte einen zweisitzigen auf dem Fliegerhorst Neubiberg flugzeugähnlichen, auf einem Kufengestell ruhenden Rumpf. Im Januar 1964 erfolgte der kurze Erstflug der BO 46 V1 auf dem Fliegerhorst Neubiberg. Technische Probleme und die Zerstörung des auf dem Prüfstand im Dauerbetrieb laufenden Rotors führten letztlich zum Stopp der Entwicklung im gleichen Jahr des Erstflugs.
BO 103 - BO 105
Nach Aufgabe des Projektes BO 103 wollte man 1961 einen zweisitzigen Kleinhubschrauber mit GFK-Rotorblättern und gelenklosem Rotorsystem auf den Markt bringen. Die Idee des gelenklosen Rotors – System Bölkow – besteht im Ersatz der Schlag- und Schwenkgelenke durch biegeweiche Teile der GFK-Rotorblätter. Als Antrieb für die BO 104 waren zwei NSU Wankel-Kreiskolbenmotoren vorgesehen, jedoch gab man diese Pläne zugunsten des leistungsstärkeren Hubschraubers BO 105 auf.
Der erste Prototyp BO 105 V-1, den man aus Gründen der Sicherheit und Zeitersparnis mit einem konventionellen Gelenkrotor des englischen Hubschraubers Westland Scout ausgestattet hatte, begann im August 1966 mit Bodenläufen. Er war ausgerüstet mit zwei Allison T63-Turbinen (zivile Bezeichnung: 250-C 18), welche auch beim Nachfolgemodell V-2 verwendet wurden. Der V-1 ging aber infolge Bodenresonanz verloren. Die zweite Prototyp, die BO 105 V-2 (mit gelenklosem, vierblättrigem Rotor) wurde im Februar 1967 erfolgreich testgeflogen. Nach weiteren Verbesserungen fand der Erstflug des Prototyps V-3 im Dezember 1967 statt. Die Vorserienmaschine BO 105 V-4 flog erstmals im Mai 1969. Die BO 105 V-5 war erstmals mit zwei stärkeren Allison 250- C 20 Turbinen ausgestattet und wurde in dieser Auslegung der Prototyp der endgültigen BO 105 C.
Die Musterzulassung der BO 105 mit zwei Wellenturbinen Allison 250-C 18 erteilte das Luftfahrtbundesamt (LBA) im Oktober 1970. In den USA wurde die FAA-Zulassung (US-Musterzulassung) im April 1971 erteilt. Der BO 105 C von 1970 folgten 1976 die BO 105 CB (mit Allison 250-C 20B Turbinen mit je 425 PS) und 1980 die BO 105 CBS, welche über einen verlängerten Rumpf verfügte. Außerdem existierten militärische Versionen – BO 105 P und BO 105 M – mit verstärkte m Getriebe, verstärkten Rotorkomponenten und einem leistungsverbesserten Heckrotor gegenüber der CB. Die BO 105 P wurde unter der Bezeichnung PAH (Panzerabwehrhubschrauber) gebaut, die BO 105 M unter der Bezeichnung VBH (Verbindungs- und Beobachtungshubschrauber). Bei den Militärversionen war außerdem ein bruchsicheres Kraftstoffsystem und ein Landesystem mit erhöhter Energieaufnahme eingebaut, so dass diese sicherer waren als die Zivilversionen.
Die jüngste Variante der erfolgreichen BO-Serie ist die BO 105 EC Super Five. Die EC Super Five bietet eine verbesserte Einmotorenleistung, verbessertes maximales Abfluggewicht u.v.m. und entspricht auch den inzwischen erhöhten Anforderungen nach JAR-OPS 3 (April 1998).
Entstehung von MBB
Zum 31. Oktober 1968 fusionierten die Messerschmitt AG und die Bölkow AG zur Messerschmitt Bölkow GmbH in Ottobrunn bei München. Zum 01. Januar 1970 kam die Hamburger Flugzeugbau GmbH (HFB) dazu und so entstand das Unternehmen Messerschmitt-Bölkow-Blohm (MBB). Die Bölkow BO 105 wurde zur MBB BO 105.
Die MBB BK 117
Eine weitere MBB-Entwicklung in Kooperation mit der japanischen Kawasaki Hea vy Industries Ltd. (KHI) war der 2,85 Tonnen-Hubschrauber BK 117. Es handelt sich um einen acht- bis elfsitzigen Mehrzweckhubschrauber. Beide Kooperationspartner ließen ihre beträchtliche Erfahrung im Drehflüglerbau einfließen. Es sollten die unabhängig voneinander entworfenen Hubschrauber, die deutsche BO 107 und die japanische KH-7 durch das Gemeinschaftsprojekt ersetzt werden. Die Entwicklungskosten wurden von beiden Firmen zu gleichen Teilen übernommen.
Die Herstellung erfolgt nach dem sog. Single-Source-Verfahren, das bedeutet, dass beide Firmen die von ihnen entwickelten Komponenten und Baugruppen selbst produzieren und dann austauschen. Der Erstflug der BK 117 erfolgte im Juni 1979, die Zulassung für VFR erteilte das LBA im Dezember 1982. Im Jahre 1983 begannen die Auslieferungen der BK 117.
Eine leistungsverbesserte Version BK 117 B-1 erhielt Ende 1987 ihre LBA-Zulassung. Bei der BK 117 B-2 wurde das maximale Abfluggewicht auf 3350 kg angehoben. Die Version BK 117 C-1 ist mit Turbomeca Arriel 1E2 Triebwerken ausgestattet und für besonders heiße und hoch gelegene Gebiete geeignet (Dienstgipfelhöhe 18.000 Fuß). Die neueste Entwicklung der heutigen Firma Eurocopter, die EC 145, ist im übrigen von der Typenbezeichnung her eine BK 117 C-2.
Die MBB BO 108
Das nächste Modell war die MBB BO 108, welche als Nachfolger der BO 105 Mitte der 1980er Jahre entwickelt wurde. Beim Experimentalhubschrauber BO 108 konnte eine erhebliche Masseneinsparung der Zelle erzielt werden, indem die Zellenstruktur mit einem hohen Anteil Kevlar bzw. Kohlefaser-Sandwich-Composite ausgeführt wurde.
Im Oktober 1988 absolvierte der erste Prototyp der BO 108 die ersten Flüge. In diesen waren Allison 250 C20-Triebwerke eingebaut, während der ab Mitte 1991 in die Flugerprobung gegangene zweite Prototyp der BO 108 mit Triebwerken Turbomeca TM 319 Arrius versehen war. Dieser zweite Prototyp des zweimotorigen Leichthubschraubers BO 108 absolvierte seinen Erstflug erfolgreich im Juni 1991 im MBB-Entwicklungszentrum München Ottobrunn.
Außerdem wurde der zweite Prototyp mit einer verbreiterten Zelle ausgestattet und verlängert. Ursprünglich hatte man vorgehabt, ab 1993 die Flugerprobung mit einem dritten Prototypen zu beginnen. Die BO 108 ging nach der Fusion von MBB mit Aerospatiale (s.u.) als Eurocopter EC 135 auf den Markt. Während die BO 108 noch mit konventionellem Heckrotor geplant war, hatte die EC 135 den ummantelten Heckrotor vom Typ Fenestron, der eine Entwicklung der Franzosen gewesen war.
Gründung von Eurocopter
Die Hubschraubersparte von MBB war inzwischen in den Besitz des DaimlerChrysler-Konzerns übergegangen. Diese fusionierte im Januar 1992 mit der französischen Aerospatiale-Matra.
Heute ist Eurocopter mit einem 47%-igen Anteil am Weltmarkt der erfolgreichste Hubschrauberhersteller weltweit. Rechnet man Deutschland und Frankreich zusammen, so sind etwa 11.000 Mitarbeiter bei Eurocopter beschäftigt. Dazu kommen noch 15 Tochterunternehmen und Beteiligungsgesellschaften. Im Jahre 2000 entstand durch eine Fusionierung von DaimlerChrysler Aerospace (Deutschland), Aerospatiale-Matra (Frankreich) und CASA (Spanien) die EADS (European Aeronautic Defence and Space Company), die weltweit das zweitgrößte Luft- und Raumfahrtunternehmen darstellt. Eurocopter ist eine 100%-ige Tochterfirma von EADS.
EADS ist weltweit Nummer eins in den Bereichen der Luft- und Raumfahrt sowie der Verteidigung und der dazu gehörenden Serviceleistungen. 2003 belief sich der Umsatz auf 30,1 Milliarden Euro, die Beschäftigtenzahl lag bei über 109 000 Personen. Die EADS-Gruppe umfasst den Flugzeughersteller Airbus, den weltweit führenden Hubschrauberhersteller Eurocopter sowie das Joint-venture MDBA, zweiter Hersteller von Lenkflugkörpern auf dem Weltmarkt. EADS ist der Hauptpartner des Konsortiums Eurofighter und Generalunternehmen für die Trägerrakete Ariane. Die Gruppe entwickelt außerdem das militärische Transportflugzeug A400M und ist der wichtigste Industriepartner im Programm Galiléo, dem europäischen Satelliten-Navigationssystem.
Die EC 135
Textquellen zu obigen Ausführungen waren u.a.:
„Hubschrauber – Geschichte, Technik und Einsatz“ von Hans-Joachim Polte (Verlag E.S. Mittler und Sohn), ISBN 3-8132-0744-7.
„Enzyklopädie der Hubschrauber – Geschichte, Technik, Marken“ von Giorgio Apostolo (Deutsche Ausgabe: Weltbild Verlag GmbH, Augsburg), ISBN 3-89350-827-9.
Pressemitteilung von Eurocopter Deutschland.
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