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Agusta (Costruzioni Aeronautiche Giovanni Agusta S.p.A.)
Schon als junger Mann hatte sich Giovanni Agusta mit dem Bau von Flugzeugen beschäftigt. 1910 flog er in Capua (bei Neapel) seinen ersten Flugapparat. Unmittelbar vor Beginn des ersten Weltkrieges zog er nach Norditalien und arbeitete dort als Kollege von Giovanni Caproni. Nachdem der Krieg zu Ende war, gründete Agusta eine Flugzeugfirma in Cascina Costa. Neben seinem werk auf dem Flughafen Malpensa bei Mailand gründete er 1923 zwei neue Werke in Tripolis und Bengasi.
Während der 1920er Jahre wurden von ihm mehrere sehr kleine Sport- und Wettbewerbsflugzeuge gebaut. 1927 starb Giovanni Agusta. Die Leitung der Firma wurde von seiner Frau Giuseppina übernommen. Nach dem zweiten Weltkrieg wurde (1950) wieder in Cascina Costa der Flugzeugbau aufgenommen. 1952 erwarb man von Bell Aircraft eine Lizenz für den bau des Bell 47. Bis 1958 hatte man dann ausreichend Erfahrungen für eigene Entwicklungen gesammelt, wie z.B. den A 101G, den A 102, den A 104 und den A 105. Jedoch ging keiner dieser Hubschrauber in Großserie.
1965 begann Agusta mit dem Bau der Bell 205, ein Jahr später folgte der AB 206 Jet Ranger. Die Firma schaffte es, die Lizenzrechte für die Herstellung des Sikorsky SH-3D und durch ihre Partnerfirma Elicotteri Meridionali die Herstellungsrechte für den Tandemrotor-Hubschrauber Boeing Vertol CH-47C zu erhalten. Ebenso wurde die zweiturbinige Bell 212 von Agusta gebaut, diese ging zeitgleich in die Produktion wie der AS 61-R SAR- sowie der schiffsgestützte AB 212-U-Jagd-Hubschrauber. Von dem letzteren wurde Agustas Eigenentwurf A 109 Hirundo abgeleitet.
Agusta A 109
Die Entwicklungsarbeiten für den leichten Mehrzweckhubschrauber A 109 wurden 1969 aufgenommen. Zuvor hatte man alle möglichen Projekte geprüft und sich dann das ausgesucht, welches am vielversprechendsten erschien. Eine fast einjährige Testphase im Windkanal führte zu einer bedeutenden Verbesserung von bestimmten Merkmalen des Hubschraubers. Sowie der Grundriss dann feststand, wurden Anfang 1970 die letzten Entwürfe für Einzelteile und Ausstattungsmerkmale gemacht. Im Sommer folgten dann detaillierte Konstruktionsarbeiten. Nachdem ursprünglich andere Triebwerksvarianten ins Auge gefasst worden waren, erhielt die zivile Version der Agusta A 109 C (C = civile) zwei Allison 250-C14-Wellenleistungsturbinen. Außerdem erhielt die Maschine ein einziehbares Bugradfahrwerk.
Der neue Hubschrauber wurde im Frühjahr 1971 montiert. Nach den abgeschlossenen Bodenerprobungen machte der Prototyp A 109 C Hirundo (Schwalbe) am 04. August 1971 seinen Erstflug. Wegen der Zerstörung des Hubschraubers bei einem Erprobungsflug konnte das Testprogramm erst Anfang 1973 mit dem zweiten Prototyp wieder aufgenommen werden. Im gleichen Jahr wurde ein dritter Prototyp in Militärausführung und ein viertes Modell für zivile Zwecke gebaut, außerdem eine Zelle für statische Tests.
Die zivile Variante der A 109 gehört zu einer Kategorie, die man zwischen der AB 206 und der Bell 212 einordnen kann. Die A 109 verfügt über eine konventionelle Struktur, der Vierblatt-Hauptrotor ist in Aluminium-Waben-Bauweise gefertigt und verfügt über ein asymmetrisches Profil, welches sich zu den Blattspitzen hin verjüngt und eine hervorragende Eignung für Hochgeschwindigkeiten besitzt. Der Rumpfboden der eleganten Zelle besteht aus einer Metallwaben-Konstruktion, die mit dünnen Leichtmetallblechen beplankt ist und somit den Anforderungen an Bruchlandungen entspricht. Hinter der Kabine, die es in unterschiedlichen Varianten gibt, befindet sich der Rumpfabschnitt. In diesen wird das Fahrwerk eingezogen und dort sind auch die Kraftstoffbehälter untergebracht. Das einziehbare Fahrwerk garantiert einerseits eine sehr gute Beweglichkeit am Boden und andererseits Vorteile im schnellen Flug, da dann der Luftwiderstand reduziert ist.
Die zwei nebeneinander angeordneten Triebwerke arbeiten voneinander unabhängig, das Versagen des einen Triebwerks tangiert das andere keineswegs. Die fünf Prototypen der A 109 wurden 1975 zugelassen. 1981 kam eine verbesserte Ausführung A 109 Mk.II auf den Markt, welche u.a. ein stärkeres Hauptgetriebe sowie getrennte Ölkühler für den Einsatz in größeren Höhen und in heißeren Klimazonen erhielt. Die bewaffnete Version ist ausrüstbar mit diversen Waffenrüstsätzen. Von der A 109 sind bislang mehrere Hundert an eine Vielzahl von Ländern weltweit ausgeliefert worden.
Seit 1973 untersteht Agusta der öffentlich-rechtlichen Institution EFIM. Während ihrer langen und wechselhaften Tätigkeit hat die Agusta-Gruppe mehrere Tausend zivile und militärische Hubschrauber gebaut.
Textquelle: „Enzyklopädie der Hubschrauber“ von Giorgio Apostolo, Westbild Verlag GmbH, Augsburg. Die Weiterverwendung obiger Texte durch Dritte ist nur mit Genehmigung des Verlags gestattet.
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