Die Anfänge der Kunst, den Weg zu weisen –
ein Rückblick

 

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Inhaltsverzeichnis dieser Seite:

Einleitung
Von den Anfängen bis heute – ein grober Überblick
Der Brunnen in Syene
Der Mahner an den richtigen Maßstab
Hintergrundwissen zum Begriff Kartenprojektionen
Das ptolemäische Weltsystem – die Geozentrik
Die T-O-Karten der mittelalterlichen Mönche
Die Handbücher für Seeleute – Portolane
Magellan – der Weltumsegler beweist, dass die Erde rund ist
Kleine Anekdote zum Thema “Kap Hoorn”
Der Bändiger der Erdkrümmung
Kleine Anekdote zum Thema “Atlas”
Das Ärgernis von König Ludwig XIV.
Die Triangulation
Die Geburtsstunde der thematischen Kartografie
Jeder Punkt auf der Karte ein Toter
Das kopernikanische Prinzip des Nikolaus Kopernikus
Der Nullmeridian von Greenwich
Thematische Kartografie zum logistisch-taktischen Einsatz

 

Einleitung

Die Kartografie befasst sich mit der Erstellung raumbezogener Informationen, wobei die Karte unter den kartografischen Ausdrucksformen die bedeutendste ist. Andere Formen sind kartenverwandte DarstellunDie Erdegen, wie etwa das dreidimensionale Gebilde des Globus u. a. Heutzutage haben Satelliten und Computer zu unglaublichen Fortschritten in der Kartografie geführt. So ist der Kartograf nicht mehr auf das beschränkt, was sein Auge sieht. Stattdessen schaut er auf die Welt als Ganzes – aus der Erdumlaufbahn. Radarwellen „schauen“ durch Nebel und Wolken hindurch und können auch das Dickicht von Urwäldern durchdringen. Schließlich tragen die heute mit Zentimetergenauigkeit möglichen Entfernungsmessungen mittels Satellitengeodäsie und die radioastronomischen Messungen der VLBI (Very Long Baseline Interferometry) zur schnellen Steigerung unserer Kenntnis der Erddimensionen bei.

Doch hätten Sie gedacht, dass die älteste bekannte „Karte“ 27.000 Jahre alt ist oder dass bereits im 3. Jahrhundert v. Chr. durch Eratosthenes von Kyrene die Berechnung des Erdumfangs fast bis auf den Kilometer genau erfolgte – mit nur knapp einem Prozent Abweichung nach heutigem Wissen? Oder Weltkarte von 1650wussten Sie beispielsweise, dass die Chinesen bereits im Jahre 1119 die Magnetnadel erfanden, den Vorläufer des Kompass? Einiges Wissenswertes über die Anfänge der Kunst, den Weg zu weisen oder wie bestimmte Berechnungen – die erstaunlich genau waren – schon vor Jahrhunderten und Jahrtausenden durchgeführt wurden, soll auf dieser Seite dargestellt werden. Dabei kann natürlich kein Anspruch auf Vollständigkeit erhoben werden, sonst würden Dutzende von Seiten erforderlich sein. Und es soll natürlich auch mal ein Blick über den Tellerrand geworfen werden, beispielsweise hin zur thematischen Kartografie.

 

Von den Anfängen bis heute – ein grober Überblick

Wir werden wohl nie genau erfahren, wer wann und wo eine Skizze anfertigte, um einen Ort oder den Weg dorthin zu beschreiben. Eine Karte, die angeblich die älteste bekannte Karte der Menschheit ist, ist die 27.000 Jahre alte Skizze eines Höhlensystems. Diese ist in ein Tiergeweih eingeritzt. Davon abgesehen gelten Babylonier (Tonplättchenkarten um 3.800 v. Chr.), Chinesen und Ägypter als erste Hersteller von Karten.

Bei den Griechen lag den Karten zunächst noch die Kreisform der Erde mit Griechenland als Mittelpunkt zugrunde (Anaximander); später führten die astronomischen und geographischen Forschungen zur ersten Gradnetzkarte mit Annahme der Erde als Kugel (Eratosthenes). Die »Geographie des Ptolemäus«, in Europa erst seit dem 15. Jahrhundert bekannt, hat lange Zeit die Kartographie beeinflusst. Aus der Römerzeit sind v. a. die Wegekarten (Itinerar) bedeutend. Später widmeten sich besonders die Araber der Kartographie.

Die mittelalterliche, meist in Klöstern betriebene Kartographie brachte keinen Fortschritt. Dieser setzte erst mit zunehmender Seefahrt im 15. Jahrhundert ein (Portolane). Die Renaissance befruchtete die Kartographie vor allem in Italien (Fra Mauro), Deutschland (M. Waldseemüller, M. Behaim, G. Mercator) und den Niederlanden (W. J. Blaeu). Neben Seekarten entstanden Erdkarten, Regionalkarten, Atlanten und Globen. Vom Ende des 18. Jahrhunderts an wurden die Karten, ausgehend von Frankreich (C.-F. Cassini), auf der exakten Grundlage trigonometrischer Vermessungen hergestellt. Daneben wandelte sich die Kartenwiedergabe von einer teilweise noch recht bildhaften Aussage zu einer reinen Grundrissdarstellung.

 

Der Brunnen in Syene

Die Ansicht, dass im Altertum alle Menschen glaubten, wir lebten auf einer Scheibe, ist Mumpitz. Ein Meilenstein der wissenschaftlichen Kartografie war die Vermessung der Erdkugel. Dem griechischen Gelehrten Eratosthenes von Kyrene gelang dies bereits um 240 v. Chr. erstaunlich genau. Er arbeitete damals an der berühmten Bibliothek von Alexandria in Ägypten. Eratosthenes kannte einen Brunnen nilaufwärts in Syene (Assuan), bei dem am Mittag der Sommersonnenwende (Sommeranfang) – also am 21. Juni – das Licht der Sonnenstrahlen senkrecht auf den Grund fiel. Eratosthenes war bereits der Auffassung, dass die Erde eine Kugel sei. Wenn dies so sei, war sein Argument, dann müsste das Sonnenlicht an anderen Orten auf der Erde in einem anderen Winkel (als in dem Brunnen in Syene) auftreffen und messbare Schatten werfen.

MEratosthenes Erdumfangberechnung (c) by Brockhausan nahm an, dass Alexandria genau nördlich von Syene lag, so dass man zwei Punkte auf der selben geografischen Länge kannte, also dem selben Längengrad. Weiterhin kannte man die Entfernung zwischen den beiden Orten recht genau, da Kamelkarawanen sie abgeschritten hatten. Für seine Berechnungen maß er den Einfallswinkel der Sonne an dem einen Ort, während sie in dem anderen im Zenit, das heißt senkrecht stand. Dieser Winkel entsprach etwa dem fünfzigstel eines Kreises, so dass er die Entfernung zwischen Alexandria und Syene mit 50 multiplizierte, um den Erdumfang zu errechnen. Der über die Pole gemessenen Erdumfang beträgt nach heutigem Wissen 40.007 Kilometer. Die Abweichung in der Berechnung des cleveren Griechen betrug weniger als ein Prozent. Sein Wissen ging dann aber lange verloren, als im Jahr 391 christliche Banden die Bibliothek von Alexandria plünderten. Und weil sein Ergebnis verloren ging, dachte selbst Kolumbus noch, dass die Erde viel kleiner sei und Indien westwärts über den Atlantik schneller erreicht werden könne als ostwärts über Land.

 

Der Mahner an den richtigen MaßstabClaudius Ptolemäus - Holzbüste von Jörg Syrlin dem Älteren am Chorgestühl des Ulmer Münsters (c) by Brockhaus

Der Astronom und Geograf Claudius Ptolemäus, der im 2. Jahrhundert n. Chr. in Alexandria wirkte, machte sich einige Ideen seiner Vorgänger zunutze. So entwarf er ein System, bei dem die Landkarten in ein Netz von Längen- und Breitengraden eingeteilt wurden. Ein weiteres Vermächtnis des Ptolemäus war die Ermahnung an die Kartografen, „das Ganze in das richtige Verhältnis zu bringen“, also maßstabsgerecht zu zeichnen. Außerdem war Ptolemäus derjenige, dem erstmals die Kegelprojektion gelungen war. Bei der Kegelprojektion handelt es sich um einen Kartennetzentwurf, das ist ein anderer Begriff für Kartenprojektion oder Kartenabbildung.

Hintergrundwissen zum Begriff Kartenprojektionen bzw. Kartenabbildungen

Unter Kartenprojektionen bzw. Kartenabbildungen versteht man die mathematische Übertragung (Abbildung) von Punkten und Linien der Oberfläche der Erde oder eines anderen Weltkörpers auf eine Kartenebene als geometrische Grundlage. Kartennetzentwürfe im engeren Sinn sind die Abbildungen des geographischen Gradnetzes (Gradnetzentwürfe), die besonders bei kleinmaßstäbigen Karten (etwa ab 1:500.000) angewendet werden. Abbildungen in die Kartenebene sind allerdings nicht ohne Verzerrungen möglich, da hier eine Kugel (die Erde) in eine Ebene (das platte Stück Papier – die Karte) projiziert wird. Diese Verzerrungen treten als Längen-, Flächen- und Winkelverzerrungen auf. Nur der Globus (lateinisch Kugel) ist aufgrund seiner Form, die dem Vorbild entspricht, verzerrungsfrei.

Siehe zum Text auch die Abbildung unten:
Hauptgruppen der Kartennetzentwürfe: 1) azimutale Abbildungen, 2) Abbildungen auf einen Kegelmantel (Kegelentwürfe und Kegelprojektionen), die erstmals Ptolemäus gelungen war. 3) zylindrische Abbildungen. Hierzu gehört auch der winkeltreue Mercatorentwurf (besonders für die Seekarten wichtig).

Kartennetzentwürfe (c) by Brockhaus

Alle Abbildungen, die solche geometrischen Deutungen mit Hilfsflächen zulassen, heißen auch echte Kartennetzentwürfe. Wo solche Erklärungen nicht oder nur zum Teil möglich sind, spricht man von unechten Kartennetzentwürfen (v. a. bei Gesamtdarstellungen der Erdoberfläche).

Neben anderen bedeutenden Werken ist Ptolemäus Verfasser des ersten systematischen Handbuchs der mathematischen Astronomie, nämlich seine um 800 von den Arabern »Almagest« betitelte »Syntaxis mathematike« (»Mathematische Sammlung«), die durch ihren Inhalt und Aufbau für alle astronomischen Handbücher bis über N. Kopernikus hinaus maßgeblich wurde.

 

Das ptolemäische Weltsystem – die Geozentrik

Geozentrisch bedeutet: die Erde als Mittelpunkt betrachtend, auf den Erdmittelpunkt bezogen. Geozentrische Weltsysteme heißen Vorstellungen, in denen die Erde den Mittelpunkt des Weltalls, besonders des Planetensystems bildet, z.B. das Weltbild von Ptolemäus (ptolemäisches Weltsystem) und Tycho Brahe (tychonisches Weltsystem). Dieses ptolemäische Weltbild blieb bis zum Ausgang des Mittelalters unumstritten, obwohl bereits Aristarchos von Samos um 260 v. Chr. ein heliozentrisches Weltbild vorgeschlagen hatte, bei dem also die Erde, wie auch die anderen Planeten, sich um die Sonne dreht. Sein Vorschlag blieb in der Antike indes fast folgenlos, da schließlich Ptolemäus in seinem großartigen, äußerst scharfsinnigen Handbuch „Almagest“ eine recht genaue, die Beobachtungen bestätigende mathematische Berechnung der Planetenbewegungen auf geozentrischer Grundlage gelang.

 

Die T-O-Karten der mittelalterlichen Mönche

Im Mittelalter überließ man in Europa den Mönchen die Kartografie. Deren Werke waren allerdings eher theologisch begründet statt wissenschaftlich. Typisch für diese Zeit sind die sog. T-O-Karten. In ihnen wird das erforschte Land vom Ozean, dem „O“ umspült. Innerhalb des Kreises liegen Afrika, Asien und Europa, die bis dahin bekannten Kontinente – in Form eines „T“ eingezeichnet. Oft steht Jerusalem auf diesen Karten im Zentrum, wie es bei Hesekiel geschrieben steht: „So spricht Gott der Herr: Das ist Jerusalem, das ich mitten unter die Heiden gesetzt habe und unter die Länder ringsumher“. Allerdings kam es im 14. bis 15. Jahrhundert langsam wieder zu einer Kartografie unter mehr wissenschaftlicher Sichtweise. T-O-Karten waren gut für die Seele, Seeleute beispielsweise wollten aber den Weg in den Hafen finden – der Himmel konnte warten.

 

Die Handbücher für Seeleute – Portolane

Zeugnisse eines einschneidenden Wandels in der westlichen Kartografie sind die Seefahrerhandbücher des Mittelalters, die Portolane. Diese waren nach der italienischen Bezeichnung für Hafenlotse „portolano“ benannt und kamen um 1300 für den Mittelmeerraum auf. Die Seefahrerhandbücher enthielten Küstenbeschreibungen in fortlaufender Folge. Zu ihnen gehörten Portolankarten, auch Rumben- oder Windstrahlenkarten, in Italien entstandene, genordete Karten, auf denen die entsprechenden Gebiete sowie Häfen, Ankerplätze und zum Teil auch Entfernungen eingetragen waren. Außerdem waren auf ihnen mehrere miteinander verbundene Windrosennetze eingezeichnet. Mit ihrer Hilfe ließ sich zumindest der Kurs und bei maßstabgerechter Karte auch die Entfernung festlegen. Sie waren in küstennahen und ruhigen Gewässern (Mittelmeer) durchaus brauchbar. Nach den Erfahrungen bei der Afrikaumrundung wurden sie von den Portugiesen weiterentwickelt.

 

Magellan – der Weltumsegler beweist, dass die Erde rund ist

Fernão de Magalhães (deutsch: Magellan), um 1480 geboren, entstammte einer adligen normannischen Familie, die sich Mitte des 13. Jahrhunderts in Portugal niedergelassen hatte. Er stand zunächst in portugiesischen Diensten und hatte an Fahrten nach Ostasien bis über die Malakkastraße (Meeresstraße zwischen Sumatra und der Malaiischen Halbinsel, wichtige Verbindung zwischen Indischem und Pazifischem Ozean) hinaus teilgenommen. Er war dann aber in Ungnade gefallen und wandte sich daraufhin mit seinem Plan, die Molukken, die eigentlichen Gewürzinseln (Inselgruppe Indonesiens, zwischen Celebes und Neuguinea), auf dem Westweg zu erreichen, an Spanien. 1519 brach er mit fünf Schiffen und 265 Teilnehmern zu seiner Suchfahrt auf.

(Siehe zu folgenden Erörterungen auch die Karte „Die Weltumseglung des Magalhães“).Magellan (c) by Brockhaus Unter schwierigsten Witterungsbedingungen und aufgehalten durch eine Offiziersmeuterei gegen den „portugiesischen“ Generalkapitän segelte Magalhães an der südlichen Ostküste Amerikas entlang. Am 21. Oktober 1520 fand man die Bucht, die den Eingang zur späteren sogenannten Magellanstraße (600 km lange Meeresstraße zwischen dem südamerikanischen Festland und Feuerland) bildete. An Feuerland vorbei, benannt nach den zahlreichen Feuern, die nächtens zu sehen waren, erreichte die Expedition am 28. November den Pazifischen Ozean (mar pacífico, „stilles Meer“), den Magalhães so nannte, „weil wir während der ganzen Fahrt keinen Sturm erlebten“. Nach vorübergehender Nordfahrt kreuzten die vier verbliebenen Schiffe den mittleren Pazifik, drei Monate und zwanzig Tage ohne Landberührung und frische Nahrung.

Auf den Marianen kamen die Europäer erstmals mit Menschen der Südsee in Kontakt. Mit Erreichen der Philippinen am 16. März 1521 war der größte Ozean überquert. Im Streit mit einem lokalen Herrscher fand er am 27. April 1521 den Tod. Da der vielfach als „größter Seeentdecker der Geschichte“ bezeichnete portugiesisch-spanische Seefahrer bereits 1511/12 die Höhe von Amboina (Ambon) erreicht hatte, ist ihm tatsächlich die erste Weltumrundung nicht abzusprechen. Vollenden sollte die begonnene Weltumsegelung sein Führungsoffizier Juan Sebastián Elcano. Er setzte die Fahrt über den indischen Ozean und das Kap der Guten Hoffnung (Südafrika) fort. Letztlich erreichte die „Victoria“ unter Elcano mit nur noch 18 Überlebenden im September 1522 spanischen Boden.

Mit der Weltumsegelung durch Magalhães und Elcano hatte sich der Weltkreis insofern geschlossen, als die Spanier auf dem Westweg den Anschluss an die Ostfahrt der Portugiesen gefunden hatten. Dabei hatten sie den tatsächlich einzigen Durchgang durch die Landmassen Amerikas im Süden entdeckt, während im Norden die Suche nach der Westpassage noch Jahrhunderte weiterging. Die wirkliche Südausdehnung Amerikas erkannte im Jahre 1616 der Holländer Jakob Le Maire, als er Feuerland umfuhr und die Südspitze nach dem Geburtsort seines Navigators Willem Schouten auf den Namen Kap Hoorn taufte (siehe dazu auch den nächsten Absatz „Kleine Anekdote am Rande“).

Kleine Anekdote zum Thema Kap Hoorn

Kap Hoorn – wer fuhr da zum ersten Mal herum?
Die Südspitze Südamerikas wurde offizieller, auch lexikalischer Lesart zufolge 1616 vom niederländischen Seefahrer Willem C. Schouten entdeckt, erstmals umschifft und nach seinem Heimatort Hoorn benannt. Neuesten Erkenntnissen zufolge aber wurde dieser Weg vom Atlantik zum Pazifik schon 30 Jahre zuvor vom Kaperfahrer ihrer Majestät, Francis Drake (um 1540/43 bis 1596), umsegelt. Königin Elisabeth I. soll diese Entdeckung zum Staatsgeheimnis erklärt haben, um die Spanier in dem Glauben zu lassen, man käme nur durch die von ihnen kontrollierte Magellanstraße in den Stillen Ozean. Damit zog sie den strategischen Nutzen dem Ruhm für die englische Seefahrt vor.

 

Der Bändiger der Erdkrümmung

Als Problem für die Navigatoren blieb die Krümmung der Erde. Hier schuf die Mercatorprojektion Abhilfe – benannt nach ihrem flämisch-deutschen Erfinder Gerardus Mercator (latinisiert aus Gerhard Kremer). Dieser war Geograph und der prominenteste Kartograph des 16. Jahrhunderts (er lebte von 1512 bis1594).

Die Mercatorprojektion war eine für diGerhard Mercator (c) by Brockhause Belange der Seefahrt 1569 von Mercator mit geometrischen Mitteln entwickelte und später von Edward Wright mathematisch exakt bestimmte Projektionsart. Sie erlaubt es, die Krümmung der Erdoberfläche auf planen Karten zu berücksichtigen, das heißt, den Schiffskurs als gerade Linie darzustellen. Die Seefahrer konnten also auf einer Karte zwei Punkte mit einer geraden Linie verbinden und von A nach B einen geraden Kompasskurs steuern.
An die Stelle der Portolankarten traten Karten in rechteckiger Form mit einem Netz von Längen- und Breitengraden, das nun viel präziser die Proportionen der Erde darstellte. Die Mercatorprojektion ist eine normalachsige Zylinderprojektion der Erde, bei der sich die (als Geraden abgebildeten) Meridiane und Breitenkreise rechtwinklig schneiden; wegen ihrer Winkeltreue ist sie noch heute für die Navigation von Bedeutung. Diese große, für die Seefahrt bestimmte Weltkarte, die aus 18 Blättern bestand, machte Mercator berühmt.

Weitere Werke Mercators waren eine Erd- und Himmelskugel, der er seit 1541 im Auftrag Kaiser Karls V. schuf, sowie 1554 eine Karte von Europa (15 Blätter). 1595 erschien eine Sammlung seiner Karten, der sogenannte „Atlas“. Somit war es der letzte Beitrag Mercators zu seiner Wissenschaft, solchen Büchern ihren Namen zu geben.

Kleine Anekdote zum Thema “Atlas”

Eine interessante Anekdote am Rande ist, dass die Angaben dazu, woher der von Mercator für seine Kartensammlung verwendete Begriff Atlas stammt, sich widersprechen. Oftmals heißt es, dass der Begriff nach dem Titanen Atlas aus der griechischen Mythologie benannt ist, der den Erdball auf  seinen Schultern trug. Andererseits heißt es, dass dies nicht zutrifft, vielmehr soll der Begriff von einem legendären König von Mauretanien/Nordafrika abgeleitet sein. Dieser König namens „Atlas“ soll als Amateurwissenschaftler den ersten Globus konstruiert haben.

 

Das Ärgernis von König Ludwig XIV.

Auf dem Festland begann die wissenschaftliche Vermessung eigentlich erst mit Ludwig XIVden Erfolgen der Familie Cassini. Im späten 17. Jahrhundert erfand der in Italien geborene Jean-Dominique de Cassini eine Methode zur Bestimmung der geografischen Länge, die auf Beobachtungen der Jupitermonde beruhte. Damit gelang es Landvermessern, eine genauere Karte Frankreichs anzufertigen. König Ludwig XIV. war darüber nicht sehr erfreut. Er sah, dass sein Reich kleiner war, als er gedacht hatte und rief „Eure Arbeit hat mich einen großen Teil meines Staates gekostet“.

Die Triangulation

Das hielt die Cassini aber nicht davon ab, Frankreich weiter zu vermessen. Sie führten dazu dJean-Dominique de Cassini ie Triangulation ein, ein geometrisches Grundprinzip: Kennt man eine Seite und zwei Winkel eines Dreiecks, kann man die anderen Seiten des Dreiecks und seine Fläche errechnen.

Um die Maße einer bestimmten Landfläche zu nehmen, schritten die Kartografen also zunächst eine Grundlinie ab. Von ihren beiden Enden peilten sie ein entferntes Objekt an, beispielsweise einen Berggipfel oder einen Turm. Die beiden Verbindungslinien bilden zwei Winkel mit der Grundlinie. Der Kreuzungspunkt der Linien am entfernten Objekt vervollständigt das Dreieck, und mit ein wenig Rechenarbeit ergeben sich die Längen der beiden Schenkel. So erhält man die Entfernung zu einem Punkt, ohne hingehen zu müssen. Letztlich hatten die Cassini ein Netz von über 400 solcher Dreiecke über Frankreich gespannt.

Jacques-Dominique de Cassini, der Urenkel von Jean-Dominique, veröffentlichte die Frankreichkarte schließlich im Jahr 1793, mitten in der französischen Revolution. Die 182 Blätter maßen zusammen elf mal elf Meter. Die „Carte de Cassini“ ließ zwar die künstlerischen Ausschmückungen früherer Karten weg, sie gilt aber als Urmodell für topografische Landkarten. Straßen, Flüsse, Kanäle, Dörfer, Abteien, Schlösser, Weinberge, Seen, Windmühlen – alles ist verzeichnet.

 

Die Geburtsstunde der thematischen Kartografie

Auch Edmond Halley (c) by Brockhausdamals schon wurde auf Landkarten mehr abgebildet als nur die Landschaft. Ein Mann, dessen Name eher im Zusammenhang mit Kometen bekannt ist, hat auch in der Geschichte der Kartografie seine Meriten: Edmond Halley zeichnete Windrichtungen und magnetische Feldlinien ein. 1686 entstand von seiner Hand die erste meteorologische Karte. Er war überzeugt davon, dass sie für den, der wissen will, wie das Wetter wird, „besser zu verstehen ist als jegliche Beschreibung mit Worten“.

Wenig später, nach einer zweijährigen Erkundungsfahrt, fertigte er eine Karte des gesamten Atlantiks an, auf der die Abweichungen des Kompass vom geografischen Nordpol – die Missweisungen – verzeichnet waren. Die thematische Kartografie war geboren. (Mehr zum Thema Missweisung erfahren Sie auf der Seite „Navigation Grundlagen“).

Weiterhin entwickelte Halley u.a. eine Formel zur barometrischen Höhenmessung (siehe dazu auch die Seite „Grundlagen Luft + Luftdruck“) und erkannte den Zusammenhang zwischen Erdmagnetismus und Polarlichtern (1716). 1705 sagte er die Wiederkehr des nach ihm benannten Halleyschen Kometen von 1682 für 1758/59 voraus. Der nach ihm benannte Komet ist der bekannteste der periodisch wiederkehrenden Kometen. Bei einer Umlaufzeit von 76 Jahren erreichte der Halley-Komet zuletzt am 16. April 1986 mit 62,8 Mio. km seine kürzeste Entfernung zur Erde. Die Berichte über seine verschiedenen Annäherungen reichen über 2000 Jahre zurück.

 

Jeder Punkt auf der Karte ein Toter

Die thematische Kartografie sollte schon bald neue Anwendungen finden. So zeichnete im Jahr 1854 ein Mediziner namens John Snow eine Karte von London, auf der Punkte jeweils einen Todesfall durch Cholera markierten; Kreuze standen für Wasserpumpen. Die Schlussfolgerung war eindeutig: Alle Choleraopfer hatten das Wasser aus einer Pumpe in der Broad Street getrunken. So konnten die Ärzte gezielt eingreifen und die Stadtverwaltung konnte den Infektionsherd beseitigen.

 

Das kopernikanische Prinzip des Nikolaus Kopernikus

Nikolaus Kopernikus (auch: Copernicus, eigentlich N. Koppernigk, polnisch Kopernik) war Astronom und Mathematiker, er lebte von 1473 bis 1543. Nach seinen Vorstellungen war nicht die Erde der Mittelpunkt der Welt, sonNikolaus Kopernikus (c) by Brockhausdern die Sonne. Das war zunächst einmal eine astronomische Behauptung. Sie entsprach dem Übergang vom geozentrischen zum heliozentrischen Weltbild, darüber ist weiter oben auf dieser Seite schon berichtet worden.

Dieses heliozentrische Weltsystem (kopernikanisches Weltsystem) machte Kopernikus mit seiner Denkschrift „Commentariolus“ 1514 einem kleinen Kreise überwiegend kirchlicher Würdenträger zugänglich. Bereits hier wurden die entscheidenden Annahmen ausgesprochen, dass die Sonne den Mittelpunkt der kreisförmigen Planetenbahnen bildet, und dass auch die Erde um sie kreist, die sich täglich um ihre Achse dreht und ihrerseits vom Mond umkreist wird.

Ausgangspunkt für Kopernikus bei der Schaffung seines neuen Weltsystems war die mangelnde Übereinstimmung des überlieferten geozentrischen Weltsystems des C. Ptolemäus mit den Beobachtungsdaten. Allerdings gelang es Kopernikus nicht, mit seinem System bessere Voraussagen zu gewinnen, was u.a. T. Brahe dazu veranlasste, es zu verwerfen. Erst die Einführung der Ellipsenbahnen durch J. Kepler verhalfen dem heliozentrischen Weltsystem zum Durchbruch.

Größere Verbreitung fanden die Ideen des Kopernikus durch den Wittenberger Mathematiker G.J. Rheticus, der sich 1539 - 41 in Frauenburg aufhielt. Das Hauptwerk von Kopernikus, »De revolutionibus orbium clestium libri VI« (deutsch u.a. als »Über die Kreisbewegungen der Weltkörper«), das dieser jahrelang als Manuskript unter Verschluss hielt, erschien 1543 in Nürnberg. Sein Druck wurde anfangs von Rheticus, später von A. Osiander überwacht. Letzterer stattete das Werk mit einem Vorwort aus, in dem er das Weltsystem des Kopernikus im Widerspruch zu dessen Ansichten als ein rein hypothetisches bezeichnete, was eine ungeheuerliche Fälschung von Kopernikus’ Werk war. Von kirchlicher Seite angegriffen und auf den Index (1616) gesetzt wurde das Werk von Kopernikus erst im Zuge der Auseinandersetzungen mit G. Galilei. Ein heftiger Gegner des Kopernikus war P. Melanchthon. Erst im 18. Jahrhundert führt der Erfolg der Newton'schen Mechanik und Gravitationstheorie zur allgemeinen Anerkennung der Heliozentrik.

 

Der Nullmeridian von Greenwich

(Näheres zum Thema Längengrade können Sie auf der Seite „Navigation Grundlagen“ nachlesen).

Bis genaMeridian von Greenwichuere Uhren von 1765 an eine bessere Zeitmessung ermöglichten, war die Bestimmung der Längengrade und der Strecken in Ost-West-Richtung für Seeleute eine Sache der Schätzung. Der Null-Meridian (also sozusagen der Ursprung der Längengrade) wurde willkürlich (jedoch durch Konvention festgelegt) durch den Ort Greenwich (Großbritannien, im Osten von London) „gezogen“. Mit der Festlegung des Null-Meridians auf Greenwich wurde 1884 die britische Dominanz in Seefahrt und Kartografie gewürdigt.

 

 

Thematische Kartografie zum logistisch-taktischen Einsatz

Die Zeit von Punkten und Kreuzen – wie zur Zeit John Snows – isLogo des New York Police Department NYPDt bei wichtigen thematischen Karten inzwischen vorbei. Einmal wöchentlich treffen sich Beamte der New Yorker Polizei im Kontrollzentrum im achten Stock ihres Hauptquartiers mitten in Manhattan. Dort werden Computerkarten auf große Bildschirme projiziert und mit statistischen Daten gefüttert: Morde, Vergewaltigungen, Raubüberfälle, Drogenhandel. Auf einen Blick werden Muster erkennbar: Da, in Washington Heights, zwei Schießereien und ein Raub innerhalb einer Woche, nur eine Querstraße voneinander entfernt. Dort, in Brooklyn, einige Feuergefechte innerhalb kurzer Zeit, an der junge Männer auf Fahrrädern beteiligt waren.

„In diesem Raum werden keine Kriminalfälle gelöst“, erklärt uns Edward Norris, der hier logistisch-taktische Erfahrungen sammelte, bevor er zum Polizeichef von Maryland wurde. „Hier wird aber entschieden, wie wir unsere Leute am besten einsetzen“. Zum Beispiel bei den Fahrradschießereien. Nachdem die Polizei das Muster auf den Computerkarten erkannt hatte, wurden in diesem Gebiet alle Radfahrer schon bei kleinsten Vergehen angehalten. „Bei den Kontrollen stellten wir 18 Handfeuerwaffen sicher“ berichtet Norris. „Nach sehr kurzer Zeit endeten die Schießereien“.

Die Ausführungen auf dieser Seite basieren im wesentlichen auf Inhalten des Brockhaus multimedial [(c) Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus AG, 2003] sowie dem Artikel „Abenteuer Erde – Wie die Welt vermessen wird“ aus dem „National Geographic Deutschland“ (Ausgabe April 2003). Die vollständige oder teilweise Übernahme aus obigen Texten ist daher nur nach Rücksprache mit den jeweils zuständigen Verlagen zulässig.

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